Groß-Aquarium in Berlin geplatzt - US-Spezialisten sollen Acrylglaszylinder untersuchen - Ursache weiterhin unklar

Sa 17.12.22 | 18:32 Uhr
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Ein Container mit Schutt wird am Tag nachdem ein Groß-Aquarium in einer Hotellobby geplatzt war, auf einen LKW geladen (Quelle: dpa/Christoph Soeder)
Video: rbb24 Abendschau | 17.12.2022 | Bild: dpa/Christoph Soeder

Nach der Aquariums-Havarie schickt die am Bau beteiligte Firma Reynolds Polymer ein Untersuchungsteam nach Berlin. Das Hotel, in dem der "Aqua Dom" stand, bleibt bis auf weiteres geschlossen. Derweil konnten 630 Fische aus anderen Becken gerettet werden.

  • Am Bau beteiligte Firma schickt Untersuchungsteam
  • weiteres Team aus Sachverständigen untersucht Unglücksort ab Montag
  • Hotel nicht einsturzgefährdet, bleibt aber geschlossen
  • Nur wenige der insgesamt 1.500 Fische in dem Aquarium haben überlebt
  • Etwa 630 Fische aus unterem Zuchtbecken gerettet

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Eine am Bau des geplatzten Aquariums beteiligte US-amerikanische Firma will ein Team zur Untersuchung des Vorfalls nach Berlin schicken. Das teilte das Unternehmen Reynolds Polymer Technology mit. "Zum jetzigen Zeitpunkt ist es noch zu früh, den Faktor oder die Faktoren zu bestimmen, die zu einem solchen Riss geführt haben." Das Unternehmen aus Colorado hatte das Acrylfenster des "Aqua-Doms" hergestellt.

Zur Begutachtung der Schäden sollen ab Montag zudem Sachverständige die Flächen näher in Augenschein nehmen, teilte Fabian Hellbusch, Sprecher des Gebäudeeigentümers Union Investment, am Samstag mit.

Das riesige Aquarium mit 1.500 Fischen in einem Hotel nahe dem Alexanderplatz war am Freitagmorgen geplatzt. Eine Million Liter Wasser ergossen sich anschließend aus dem zerstörten Glaszylinder in das Hotel und auf die Straße. Zwei Menschen wurden leicht verletzt. Fast alle Fische in dem 16 Meter hohen Aquarium starben.

Fische aus Zuchtbecken in andere Aquarien verteilt

Nach Angaben des Gebäudeeigentümers konnten aber etwa 630 Fische aus den unterirdischen Zuchtbecken gerettet werden. Diese Fische befanden sich nicht im geplatzten Aquarium "Aqua-Dom", sondern in anderen Becken, wie der Sprecher von Union Investment, Fabian Hellbusch, am Samstag mitteilte.

Sie seien auf den Berliner Tierpark, den Zoo, das Sealife im Dom Aquarée und unter einem Netzwerk von Spezialzüchtern verteilt worden. "Dieser Verteilungsvorgang ist aktuell noch nicht abgeschlossen - dies wird morgen vermutlich erledigt sein", hieß es. Die Maßnahme
werde mit Tiermedizinern abgestimmt.

Im Berliner Zoo kamen am Freitagabend bereits drei Kois an, wie eine Sprecherin am Samstag bestätigte. Sie seien derzeit in einem separaten Becken im rückwärtigen Bereich untergebracht. "Vermutlich kommen im Laufe des Tages noch einige Salzwasserfische an."

Bauzaun schirmt Gebäude ab

Derweil wurden am Samstag die Aufräumarbeiten fortgeführt. Arbeiter in weißen Schutzanzügen luden am Samstag Schutt in große Baucontainer und transportierten Wannen und Netze ab. Ein großer weißer Bauzaun schirmt das Gebäude ab.

Der Fokus liege weiter auf den "intensiven Aufräumarbeiten" im Außenbereich sowie auf Sicherheitsmaßnahmen der zerstörten und beschädigten Läden und offenen Fassaden, teilte Sprecher Hellbusch mit.

Ursache für Unglück weiterhin unklar

Die Suche nach der Ursache geht indes weiter. "Es besteht weiterhin Unklarheit, was die Gründe für das plötzliche Bersten des Acrylglaszylinders betrifft", teilte Hellbusch mit. Hinweise auf einen gezielten, gewaltsamen Anschlag gab es laut Polizei nicht. "Im Moment deutet nichts daraufhin, dass etwas strafrechtlich Relevantes im Raum steht", sagt eine Polizeisprecherin am Samstag.

"Ein regelrechter Tsunami"



Hotel bleibt bis auf weiteres geschlossen

Der Einsatz des Technischen Hilfswerks (THW) am geborstenen "Aqua-Dom" war am Freitagabend beendet worden. THW-Sprecher Friedrich Engel sagte in der rbb24 Abendschau, das Hotelgebäude, in dem das Aquarium stand, sei mittlerweile als sicher eingestuft worden und nicht einsturzgefährdet. Es wurde an die Eigentümer zurück übergeben. "Von dem Gebäude an sich geht keine Gefahr mehr aus, für die die allgemeine Gefahrenabwehr zuständig wäre", sagte Engel.

Das Hotel Radisson Blu sei "bis auf weiteres" geschlossen, teilte Fabian Hellbusch mit. Die Gäste seien noch am Freitag in ein anderes Hotel gebracht worden. Man sei in engem Austausch mit dem Hotel, sagte Hellbusch. In dem Gebäudekomplex wurden demnach mindestens sechs weitere Läden beschädigt.

Stadträtin hat Verständnis für Kritik von Tierschützern

Die Umwelt-Stadträtin von Mitte, Almut Neumann (Grüne), sprach in einem rbb24 Spezial von dystopischen Zuständen in dem Gebäude. Ob solch ein Projekt wie der "Aqua-Dom" noch einmal genehmigt würde, sei eine schwierige Frage, so Neumann. Sie könne die Kritik der Tierschützer gut nachvollziehen. "Die Rechtslage ist aber so, dass solche Arten Aquarien genehmigt werden müssen, wenn sie bestimmte Bedingungen erfüllen, und das war jedenfalls in der Vergangenheit hier der Fall."

Lichtenberg plant Gespräche mit "Coral World"

Derweil hat Lichtenbergs Bezirksstadtrat Kevin Hönicke (SPD) mitgeteilt, dass er das Unternehmen "Coral World" um ein Gespräch gebeten hat. In der Rummelsburger Bucht soll ein Aquarium und ein Hotel entstehen. "Hier muss sichergestellt werden, dass sich eine solche Katastrophe nicht wiederholt und wie der Schutz von Tieren und Menschen gewahrt wird", teilte Hönicke am Samstag mit.

Der Politiker zeigt sich auch offen, dass der Berliner Senat an den Gesprächen teilnehmen könnte. Die Reaktionen von dem Vorfall in Mitte zeigen demnach, "dass es sich um ein berlinweites oder sogar bundesweites Interesse handelt."

Grafik: Aquadom-Aquarium geplatzt (Quelle: rbb/Sophia Bernert)

Sendung: rbb24 Abendschau, 17.12.2022, 19:30 Uhr

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56 Kommentare

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  1. 56.

    Sorry, es ist wirklich zum kotzen wie hier über Tiere geschrieben wird
    Typisch Stadtmensch

  2. 54.

    Also die Klebestellen und die Tragekonstruktion sind hier die Schwachpunkte, da der Hohlzylinder ja ansonsten frei steht und nicht wie üblich in ein Stahlkorsett eingefasst wurde.
    Damit nimmt der Acrylzylinder nebst Träger den kompletten Wasserdruck auf.
    So wie ich bereits schrieb reichen hier kleinste Setzungen des Trägers (Lageänderungen) aufgrund von Vibrationen, Bodenwellen, Untergrundbeschaffenheit, dass das Teil sofort auseinanderliegen.
    Denn die gesamte freistehende Acryl-Konstruktion kann nur statischen aber nicht dynamischen Kräften standhalten.

    Keine Ahnung ob bei den Wartungsarbeiten die Klebestellen mit Ultraschall und die gesamte Tragekonstruktion über definierte Konstruktionspunkte mit Laser vermessen wurden? Aber auch das wäre keine Garantie gegen ein zwischenzeitliches Mikrobeben.

    Ich denke man hat es wie des Öfteren auch wegen der Optik konstruktiv einfach übertrieben und das ist eben der Preis.
    Wäre da nicht das Ding mit den Fischen,wäre es mir auch egal.

  3. 53.

    Zielführend wäre gewesen, wenn der investigative rbb die betroffene Berliner Bürgermeisterin mit diesem Sachverhalt konfrontiert hätte. Stellvertretend für die Bevölkerung.

  4. 52.

    Viele Hundehalter beklagen sich über mangelnde Auslaufzonen. Was gedenkt Frau Neumann gegen die hunderttausendfache Tierquälerei zu unternehmen?

  5. 51.

    Das der Grund- und Boden am und um den Alexanderplatz immer schon schwierig war, moorastig - sumpfig, war schon in alten Zeiten bekannt. Schon beim Bau des Prinzenpalais gab es deswegen Probleme.
    In der Zwischenzeit wurde viel und tief gebaut. Der Fernsehturm bekam mehrere Plomben damit er gerade steht.
    Die U-Bahnstrecke wurde erweitert. Da kann mir keiner sagen, dass es ohne Veränderungen des Untergrundes passiert.
    Also es gab bestimmt nicht nur Erschütterungen, sondern auch Absenkungen; Verwerfungen.

  6. 50.

    Können die US - Spezialisten bitte auch gleich mal zu Nord Stream runtertauchen? Frage für einen Freund, welcher sich wundert, dass kein Hahn mehr danach kräht.

    Die verendeten Bewohner des Aquariums machen mich traurig (ernsthaft).

  7. 49.

    "Ach ja, Deutschland hat ja Fachkräftemangel " Unsinn! Sie haben den Artikel nicht gelesen, sonst hätten Sie verstanden, das der Hersteller sehr gerne den Grund für das Ereignis wissen möchte. Und dazu hat er alles Recht der Welt. Schon allein um evtl. ähnliche Konstruktionen vor derartigen Ereignissen zu bewahren.

  8. 48.

    Die ganze Grafik ist falsch. Wir waren erst am Samstag drin. Weder waren da Rochen, noch Thunfische, noch Seepferdchen, noch Quallen drin und waren da auch nie drin gewesen. Diese Tiere sind alle im separaten Sealife untergebracht, wobei Thunfische im ganzen Sealife nicht vorkommen (auch iwie logisch). Schon strange wie der Erstellende da Tiere in ein Aquarium mischt, die im Meer sicher keine Kumpel sind. Keine Ahnung wo diese Grafik herkommt. Vom Sealife bestimmt nicht.

  9. 47.

    Was spricht denn gegen einen Anschlag? Die Uhrzeit 05:45 Uhr bestimmt nicht. Zu der Uhrzeit hat schon ein Weltkrieg begonnen…

  10. 46.

    Die Fische hier waren Teils seltener Arten die durch uns Menschen vor dem Aussterben bedroht sind, keine Soeisefische wie Kabeljau, Hering Thunfisch und Co.
    Ein Dämlicher Vergleich den sie hier beschrieben haben

  11. 45.

    Vor kulrzem gewartet - nun geplatzt?

    Wer zahlt denn eigentlich solche reinen Prestige-Objekte und die Folgen: Bund und Länder vermutlich, denn Berlin ist ja arm, aber sexy. Weshalb ein schwachsinniger, noch dazu hässlicher Milliarden-Flughafen, der nicht fertig wird, ein Hauptbahnhof von einem Stararchitekten, der nach kurzem die Fassade fallen lässt und nun ein Protzaquarium mit 1500 Tieren, das einfach reißt, immer finanziert wird und man sich über die Kosten und FOlgekosten in Berlin nicht sorgen muss.
    Wenn man immer wieder Milliarden auf dieselbe Stelle kippt, ist es leicht thexthy zu sein. (Nur wenn man selber die Wahlen organisieren soll, wird's eng.)

  12. 44.

    Angabegemäß waren in den letzten Tagen Taucher im Aquarium. Manchmal reicht ja ein Tropfen/eine stärkere Berührung einer Nahtstelle, um das Faß überlaufen zu lassen?!?

  13. 43.

    Sie haben übrsehen, dass ich mich sehr bewusst gegen jede Extravaganz der zur Schaustellung ausgesprochen habe.
    Ihrer Meinug nach müssten dann auch Zoos und Tierparks schließen. Insbesondere Letztere haben entsprechend EU-rechtl. Regelungen GsD eine artgerechte Haltung sicherzustellen & sind Gegenstand wissenschaftlicher Interesses. Gegen ein nicht auf Schau/Exklusivität/Effekthascherei eingerichtetes Aquarium hätte ich nichts einzuwenden. Man kann sich mit dem Schutz der Ozeane dann identifizieren, wenn man wenigstens einen recht kleinen Teil der Fische und sonstigen Bewohner kennt, sie lieben lernt und das Bedürfnis wächst, dass sie ein Teil von uns sind. Und wertvoll. Wenn diese Aquarien artengerecht besetzt sind und nicht übervoll, dann ist dagegen nichts einzuwenden. Die Röhre war schon zieml. grenzwertig!

  14. 42.

    Als einer der Hersteller würde ich da natürlich auch meine Fachleute hinschicken. Wird halt von der Presse mal wieder reißerisch geschrieben.
    Auch viele Versicherungen werden ihre Fachleute schicken. sicherlich alle auf ihrem Gebiet "Spezialisten".

  15. 41.

    "Das Unternehmen aus Colorado hatte das Acrylfenster des "Aqua-Doms" hergestellt." Es untersuchen Experten des Herstellers und der kommt nun mal aus den USA - ganz normaler Vorgang, hat nichts damit zu tun, ob nicht auch in Deutschland Experten vorhanden sind.

  16. 40.

    In dem Bild hier:
    https://www.rbb24.de/content/dam/rbb/rbb/rbb24/2022/2022_12/dpa/388555937.jpg.jpg/size=975x549.jpg
    sieht ein Acrylglasteil das auf dem Boden liegt (linke Ecke) seltsam verbogen aus. Das könnte daran liegen, dass da ein anderes rundes Teil, dass wohl da drüber liegt zu komischen Ansichtsformen durch die Lichtbrechung führt, aber wenn nicht, dann wäre das schon ein seltsames Verhalten für solch dickes Acrylglas.

  17. 39.

    Danke für das tolle Bild von der Montage. Ich war seit 2004 mindestens 30 mal im Radisson und immer wieder zutiefst beeindruckt und begeistert vom AquaDom und der ganz besonderen Atmosphäre, die ihn umgab. Schade, daß in 99% aller Beiträge nur die immer wieder gleichen Bilder vom zerstörten Objekt gezeigt werden und kaum Bilder und Videos, die zeigen, wie schön und beeindruckend er war.

  18. 38.

    Das kalte Wetter die Energiekrise, somit das verbundene Zwang-Sparen führte zu diesem Desaster. Acryl-Glas hat ein grosses thermisches Problem. Es dehnt sich aus, zieht sich mehr zusammen als andere Materialien. Somit immer konstante Temperaturen auf beiden Seiten im Becken, und aussen rum. Wenn da zuviel Entfernung herrscht ist das entstandene Problem kein Wunder.
    Schlimmer ist nur, war mir auch nicht bewusst von der Existenz solches Becken, erst 12Jahre wohnhaft hier im Umland:) das die sogenannte "letzte-Generation" nicht vor diesem Elend schon aufmerksam wurde. Den solch Riesenungetüme, Aquarien allgemein sind reine Energieverschwender. Die Millionen Tonnen Emissionen verursachen. Lasst die Tiere dort wo es warm ist. Für unseren Erdteil ungeeignet!!

  19. 37.

    "Man müsste also das Dach dafür zurück bauen " Nix leichter als das. Wobei nicht zurück gebaut wird - das wäre ein Dauerzustand - sondern nur geöffnet. Haben Sie mal erlebt, wie ein Kernspin in einer Klinik ausgetauscht wird? Da werden nicht nur Dächer "aufgemacht", sondern ggfls. ganze Geschossdecken geöffnet.

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